Ablauf einer ökologischen Risikoanalyse

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Vorgehen der Ökologischen Risikoanalyse (Quelle: Uni Hannover, 2006)

Um den Zusammenhang Verursacher-Auswirkung-Betroffener zu untersuchen, teilt sich das Verfahren in die Untersuchung der Betroffenen (natürliche Faktoren, linke Seite in der Abb.) und der Verursacher (Nutzungsansprüche, rechte Seite in der Abb.) auf.

 

Die Beurteilung erfolgt formal durch die Bildung der drei Aggregatgrößen (s. Abb.).

  • Beeinträchtigungsempfindlichkeit
  • Beeinträchtigungsintensität
  • Risiko der Beeinträchtigung

Dabei werden unter Beeinträchtigungen Änderungen von Quantitäten oder Qualitäten natürlicher Ressourcen verstanden, die nach Art und Ausmaß die Befriedigung der Ansprüche an natürliche Ressourcen erheblich erschweren oder unmöglich machen.

 

Beeinträchtigungsempfindlichkeit

Auf Seite der von Beeinträchtigungen Betroffenen werden zunächst die Leistungen der Naturgüter für Nutzungsansprüche, d. h. die Eignung, ermittelt. Dazu werden Indikatoren gebildet und herangezogen. Diese werden durch Untersuchungen (Datenübernahme, Berechnung oder Messung) für den Untersuchungsraum konkretisiert. Durch Abgleich der Untersuchungsergebnisse mit fachlichen Zielvorstellungen entsteht die Beeinträchtigungsempfindlichkeit. Diese fasst die Nutzungseignung natürlicher Ressourcen und die "Übertragungseigenschaften" der Geofaktoren für Wirkungen zusammen und ordnet sie in einer ordinalen Skala.

 

Beeinträchtigungsintensität

Auf der Verursacherseite werden die Auswirkungen von Nutzungen auf die Schutzgüter untersucht, indem auch hier Indikatoren gebildet werden. Die räumliche Konkretisierung erfolgt durch Prognose, da es um zukünftige Zustände geht. Daraus wird die Beeinträchtigungsintensität ermittelt. Diese fasst Beeinträchtigungsfaktoren für jedes Schutzgut (z.B. Mensch, Tiere, Pflanzen, Boden) entsprechend den von ihnen ausgehenden Wirkungen zusammen und ordnet sie wiederum in einer ordinalen Skala.

 

Relevanzbäume

Die ordinale Skalierung, also die Klassen, für die Abschätzung der Beeinträchtigungsintensität und der Beeinträchtigungsempfindlichkeit werden mithilfe von Relevanzbäumen einzelfallorientiert hergeleitet.

 

Präferenzmatrix

Das Risiko der Beeinträchtigung ergibt sich aus der Verknüpfung der beiden mithilfe der Bewertungsbäume ermittelten Größen in einer "Risikomatrix" (oder Präferenzmatrix) und soll das Ausmaß der Beeinträchtigung natürlicher Ressourcen veranschaulichen. Die Präferenzmatrix stellt die Intensitäts- und Empfindlichkeitsstufen gegenüber. Hohe Beeinträchtigungsintensität und -empfindlichkeit ergeben demnach hohes Risiko, geringe Beeinträchtigungsintensität und -empfindlichkeit geringes Risiko.

 

Sach- und Wertaussage

In jedem Fall bestehen die Arbeitsschritte aus

  • einer naturwissenschaftlich-empirischen Wirkungsanalyse (Wie funktioniert der Naturhaushalt? Wie wirken Belastungen? Wie reagieren die Schutzgüter?) und
  • einer normativen Aussage (Einschätzung, Beurteilung, Bewertung) aus fachlicher Sicht (Wie gut funktioniert der Naturhaushalt? Führen die Belastungen zu Beeinträchtigungen? Verlieren die Schutzgüter ihre Funktionen? Besteht eine Schutzwürdigkeit?).

 

Aggregationstiefe

Auf die Aggregation verschiedener Teilrisiken zu einem Gesamtrisiko wird meist verzichtet. Die Aggregation wird auf der Ebene von Naturraumpotenzialen, Raumfunktionen oder Schutzgütern durchgeführt, weil eine Abwägung zwischen einzelnen Schutzgütern stattzufinden hat, zu deren Durchführung letztlich nur der Entscheidungsträger, nicht aber der Gutachter legitimiert ist. Der Gutachter kann einen Vorschlag machen, den er aber als solchen kennzeichnen muss.

Infobox

Daten

Ablauf der ökologischen Risikoanalyse

Anwendung

Kritik an der Methode

Letzte Änderung: 19.11.2012